MANNHEIMER HC SETZT SICH NACH IRREM SCHLUSSPURT UND SHOOT-OUT DURCH
07. February 2026
Ein irrer Endspurt zum 5:5-Unentschieden rettete den Mannheimer HC im ersten Halbfinale der Herren gegen den HTC Uhlenhorst Mülheim noch ins Shoot-out, das die Süddeutschen dann mit 1:0 für sich entscheiden konnten. Der MHC steht damit zum fünften Mal in einem Hallen-Finale und könnte am Sonntag seinen vierten Titel nach 2010, 2022 und 2024 erringen.
Auch wenn es im ersten Viertel keine Tore gab, so wurden die Zuschauer in der sich weiter füllenden Halle von Beginn an bestens unterhalten. Mannheim bekam gleich in der ersten Minute eine Ecke, die Mülheim ablaufen konnte. Den gefürchteten MHC-Defensivblock auszukombinieren schaffte Uhlenhorst in der ersten Viertelstunde zwar nicht mit Torerfolg, doch einige Male ließen Mittelspieler Max Godau und seine Mitstreiter die möglichen Wege zum Erfolg aufblitzen. Da auch Mannheims zweite Ecke (8.) erfolglos verlief, ging es mit einem 0:0 in den nächsten Abschnitt.
Der West-Zweite brachte sich dann als Erster auf die Anzeigetafel. Lukas Mertgens, der noch Sekunden zuvor nach artistisch knapp das 1:0 verpasst hatte, legte stark für Lukas Windfeder auf, der nur noch einschießen musste – 1:0 (18.). Lange an der Führung erfreuen konnte sich Mülheim nicht. Luis Holste glich nach Vorarbeit von Moritz Himmler mit einem Sonntagsschuss aus unmöglichem Winkel unter die Latte aus (22.), und Benedikt Geyer brachte den Südvertreter mit Verwandlung der dritten MHC-Ecke in Führung (24.). Auch wenn Mülheim danach seine ersten beiden Ecken liegen ließ, kamen die Uhlenhorst in der letzten Minute vor der Pause noch zum leistungsgerechten Ausgleich, als ein Schuss von William Sanda vom auf der Linie postierten Himmler nur noch mit dem Körper aufgehalten werden konnte. Der für Stammkeeper Florian Simon eingewechselte Torhüter Adrian Rafi blieb gegen Windfeders zentimetergenauen Schuss machtlos – 2:2.
Das Duell Windfeder gegen Rafi gab es schon fünf Minuten nach Beginn der zweiten Hälfte ein zweites Mal. Sandas Schuss bei der dritten Mülheimer Ecke war nur noch regelwidrig per Körper auf der Linie aufzuhalten. Und Ex-Nationalspieler Windfeder behielt auch diesmal die Oberhand – 3:2 (35.). Die Uhlenhorster diktierten das dritte Viertel durch kluges Ballbesitzhockey, sie konnten ihren knappen Vorsprung allerdings nicht ausbauen, weil sich keine absolut zwingenden Torchancen ergaben. Sekunden vor der letzten Viertelpause rettete der bis dahin wenig beschäftigte Beckmann den Vorsprung, als er Mannheims beste Möglichkeit bei Seagons Direktabnahme parierte.
Es ging im Schlussviertel zunächst genauso weiter: Mülheim hatte Spielkontrolle, Mannheim lauerte vergeblich auf Fehler. Als dann Julius Meyer bei einem Abpraller am schnellsten reagierte und das 4:2 (51.) schoss, schien das der Durchbruch zum Mülheimer Sieg zu sein. Mannheim war gezwungen, seine eher passive Rolle aufzugeben. Sieben Minuten vor Ende stellte MHC-Coach Zafer Kir auf sechs Feldspieler um. Es oblag jetzt den Ruhrstädtern, auf Konter zu spekulieren. Erst ließ Mertgens fahrlässig das 5:2 liegen, was dann auf seine Vorarbeit hin jedoch Max Godau gelang (55.).
Die Zeit verrann, und wohl nur die wenigstens in der Halle hätten noch damit gerechnet, dass Mannheim den Drei-Tore-Rückstand gegen einen bis dahin kaum Fehler machenden Gegner noch würde aufholen können. Dass es schließlich doch noch klappte, hatte sehr stark mit Benedikt Geyer zu tun. Erst schlenzte er die vierte MHC-Ecke zum 3:5 (57.) ins Netz, dann setzte er sich rechts an der Bande so raffiniert durch, dass Luis Holste am langen Pfosten nur noch einzudrücken brauchte (4:5/58.), und schließlich holte Geyer auch noch die fünfte Ecken heraus, aus der dann gleich die sechste wurde, die Jossip Anzender 25 Sekunden vor Ablauf der Spielzeit zum 5:5 in den Mülheimer Kasten jagte.
Schlusspunkt der wilden Schlussphase war die gelbe Karte gegen Anzenender, der sechs Sekunden vor Ende noch das Siegtor erzielen wollte, aber im gegnerischen Brett landete. Das Regelwerk sieht es vor, dass eine Zeitstrafe kein Hinderungsgrund für einen Spieler darstellt, nicht am Shoot-out teilzunehmen. Es war die Pointe des Tages, dass dann ausgerechnet Jossip Anzeneder zum Mannheimer Siegtorschützen wurde. Nachdem Jan-Philipp Fischer und William Sanda in der ersten Runde jeweils gescheitert waren, traf Anzeneder zum 1:0, Maximilian Stahmann blieb ebenfalls an Rafi hängen. Benedikt Geyer hätte seine starke Leistung mit Verwandlung des Matchballs krönen können, er scheiterte an Beckmann. Max Godau musste als letzter Schütze treffen, um Mülheim im Spiel zu halten. Sein Heber flog über die Latte, damit war das Drama beendet.
Foto: Worldsportpics