MIT SIEG IN LETZTER SEKUNDE ERKLIMMT KÖLN DIE TABELLENFÜHRUNG
19. April 2026
Führungswechsel in der 1. Bundesliga Herren. In buchstäblich letzter Sekunde entführte am Sonntag Rot-Weiss Köln mit dem 4:3-Siegtreffer beim bisherigen Spitzenreiter Hamburger Polo Club die Tabellenführung.
Viel dramatischer hätte das Topspiel in Hamburg nicht enden können. Nach einer torlosen ersten Halbzeit überschlugen sich im zweiten Durchgang förmlich die Ereignisse. Gastgeber Polo schien nach zwei verwandelten Strafecken von Kane Russell (31.) und Tom Craig (33.) auf gutem Weg, den Verfolger aus Köln wieder mehr auf Distanz zu bringen. Auch den Rot-Weiss-Anschlusstreffer durch Raphael Hartkopf (36.) steckte Hamburg gut weg, indem es durch Niklas Boserhoff mit dem 3:1 (44.) den alten Abstand wieder herstellte. Acht Minuten vor Ende erzürnte die Platzherren nicht nur das 2:3 (52.) von Florian Adrians, sondern das unmittelbar davor ungeahndete Foulspiel an Polo-Spieler Johann Wehnert. Und es sollte noch schlimmer kommen für die Hanseaten: Nachdem Köln in der Schlussphase Nationaltorhüter Jean Danneberg für einen elften Feldspieler opferte, erzwangen sich die Gäste eine weitere Ecke. Der Grambusch-Schlenzball wurde von Russell auf der Linie mit dem Fuß abgewehrt – Siebenmeter. Den verwandelte Christopher Rühr souverän zum 3:3 (59.). Kölns Chefcoach Pasha Gademan wechselte nach dem Ausgleich seinen Torwart nicht wieder ein, sondern beließ es bei der künstlichen Überzahl. Fast hätte Polo dieses Risiko bestraft. Doch nach einem letzten Schlenzball tief in die Polo-Hälfte verstoppte dort Routinier Woods den Ball. Es ging dann ruck-zuck. Am langen Pfosten drückte Hartkopf eine Vorlage exakt eine Sekunde vor Ablauf der Spielzeit den Ball zum 3:4 über die Linie.
Mit einem Sechs-Punkte-Wochenende in Hamburg verdrängte Rot-Weiss den bisherigen Tabellenersten Polo von der Spitze. Für duie am Wochenende zweimal unglücklich geschlagenen Hamburger konnte Jan-hendik Bartels nur feststellen: „Dann manchen wir es eben dafür in der Crunchtime erfolgreicher als vorige Saison, als uns der klare Ligagewinn am Ende nichts geholfen hat.“
Neuer Tabellendritter ist der Club an der Alster. Den Hanseaten gelang im Süden ebenfalls ein optimaler Punktefang. Dem 3:2-Sieg in München folgte am Sonntag das gleiche Resultat beim Mannheimer HC. Dabei konnten die Gastgeber einen 0:1-Halbzeitrückstand (Lasse Mink/21.) bald nach dem Seitenwechsel durch Tim Seagon (E, 31.) und Luis Holste (35.) in eine Mannheimer Führung drehen. Doch das letzte Wort hatten die Hamburger Gäste. Johannes Große (38.) und Nikolaus Wellan (56.) nutzten Strafecken zum 3:2-Sieg des Club an der Alster.
Obwohl der HTC Uhlenhorst Mülheim auf Position vier zurückfiel, dürften die Ruhrstädter mit ihrer Wochenendausbeute in Hamburg nicht unzufrieden gewesen sein. Dem glücklichen 2:1-Erfolg beim Polo Club folgte am Sonntag ein 3:3-Unentschieden beim Harvestehuder THC, bei dem die Gastgeber allerdings den Zusatzpunkt behielten. Harvestehude war durch zwei verwandelte Ecken seines Spezialisten Andrew McConnell (8./17.) zu einer 2:0-Führung gekommen, die Malte Hellwig per Siebenmeter (20.) zum 2:1-Pausenstand verkürzte. Jonas von Gersum stellte im dritten Viertel mit dem 3:1 (34.) den alten Abstand wieder her, was Mülheim nicht entmutigte. Binnen zehn Minuten war durch Luklas Mertgens (34.) und William Sanda (44.) der Ausgleich geschafft. Mit dem 3:3 ging es ins Shootout, wo McConnell, von Gersum, Ntuli und von Schwerin, die Mülheimer Gegentoren von Hellwig (2) und Stahmann, den 4:3-Sieg sicherten.
Ein weiteres Shoot-out gab es in Krefeld, wo sich Meister CHTC und TSV Mannheim zunächst 1:1 (0:1) trennten. Den zweiten Punkt nahmen die Gäste durch ein 2:1 im Shoot-out mit. In einer ausgeglichenen Partie war Mannheim durch Alvaro Tello (24.) in Führung gegangen. Zu Beginn des letzten Viertels glich Masi Pfandt per Strafecke (51.) für die Hausherren aus. Bei den Penaltys waren die Torhüter Zickler (CHTC) und Stumpf (TSV) gegenüber den Schützen deutlich im Vorteil. Von insgesamt zwölf Versuchen ließen die Schlussmänner nur drei passieren. Luca Großmann führte den TSV mit zwei Treffern zum Zusatzpunkt, beim CHTC hatte nur Niklas Wellen getroffen. Trotz lediglich eines erzielten Zählers behielt Krefeld seinen am Vortag eroberten achten Tabellenplatz.
Den klarsten Sieg des Tages feierte der UHC Hamburg mit seinem 3:0 (3:0) beim Münchner SC. Bereits zur Pause hatten Nicolas Proske (8.), Luis Bernstein (15.) und Leander Burat (27.) für eindeutige Verhältnisse gesorgt. Der UHC stabilisierte mit dem Dreier seinen sechsten Tabellenplatz, München fiel dagegen wieder auf Rang elf zurück.
Denn der Gladbacher HTC schaffte parallel in seinem Heimspiel gegen Frankfurt das Kunststück, einen 0:3-Halbzeitrückstand gegen den SC Frankfurt 80 noch zum 4:3-Sieg zu drehen. Max Laufs (13./7m, 28.) und Moritz Küppers (18.) versetzten mit ihren Toren den Tabellenletzten in völlig ungewohnte Gefühlswelten. Im 18. Saisonspiel hätte zwar ein Sieg oder auch nur ein Teilerfolg tabellarisch keinerlei Auswirkungen gehabt, doch der psychologische Effekt wäre sicherlich kein geringer gewesen. Doch es kehrte sich in der zweiten Hälfte noch alles um. Finn Hess läutete mit dem 1:3 (38.) die Gladbacher Aufholjagd ein, die bei einem verschossenen Siebenmeter durch Laurens Halfmann (22.) noch gar nicht in Schwung kommen wollte. Mit drei verwandelten Strafecken drehte Niklas Braun (39./52./55.) die Partie quasi im Alleingang. 45 Sekunden vor Schluss verfehlte Frankfurts Vincent Heger einen Meter vor dem leeren Gladbacher Gehäuse den möglichen Ausgleichstreffer. Und deshalb bleibt der SC80 weiterhin punktlos.
Foto: S.Fehrmann / Sports-Gallery