Das Final4 für ALLE erlebbar machen: Premiere für die Blindenreportage in Bonn
14. July 2026
Beim Feldhockey Final4 2026 in Bonn ist der Hockey-Bundesliga gemeinsam mit dem Bonner Tennis- und Hockeyverein ein besonderer Schritt gelungen: Erstmals wurden alle Spiele des Wochenendes als Blindenreportage vor Ort und im Livestream übertragen. Am Mikrofon: Björn Naß, einer der erfahrensten Blindenreporter Deutschlands, unterstützt von einer Spieler*in des Bonner THV als sportliche Expertise an seiner Seite.
Blindenreportage ist dabei weit mehr als klassischer Kommentar. In Echtzeit beschreibt Naß detailreich das komplette Eventgeschehen auf und neben dem Platz und lässt so bei den Zuhörenden echte Bilder und Emotionen entstehen. Der erste Aufschlag dieser Zusammenarbeit war ein voller Erfolg: Alle vor Ort bereitgestellten Funkkopfhörer wurden an beiden Eventtagen von Sehbehinderten und interessierten Zuhörenden genutzt. Wer nicht vor Ort war, konnte das Turnier ebenfalls live auf die Ohren holen. Am Halbfinal-Samstag und am Final-Sonntag erlebten bis zu 300 Zuhörende die Entscheidungen im Audio-Stream.
Wer ist Björn Naß?
Björn Naß kommt ursprünglich aus dem Fußball. Über ein Seminar zum Thema Blindenreportage stieß er einst zufällig zu diesem besonderen Handwerk und blieb dabei. Heute ist er bundesweit als Ausbilder für Blindenreporter aktiv und kommentiert längst nicht mehr nur Fußballspiele: Er begleitet unter anderem Partien der Kölner Haie und der Adler Mannheim, war 2023 bei den Special Olympics World Games in Berlin im Einsatz und bringt sein Können nun auch ins Feldhockey ein.
Sein Anspruch bleibt dabei immer derselbe: So präzise und schnell zu sprechen, dass im Kopf der Zuhörenden ein vollständiges Bild des Geschehens entsteht. Es geht ihm nicht um pauschale Beschreibungen wie einen "schönen Pass", sondern darum, genau zu erklären, warum ein Pass schön war – ob er exakt in den Lauf gespielt wurde oder in den freien Raum ging. Auch Details abseits des Spielgeschehens gehören dazu: Trikots, Choreografien, die Stimmung auf den Rängen, das komplette Drumherum eines Turniertages. Bei emotionalen Höhepunkten wie einem Torjubel schweigt er hingegen bewusst für einen Moment – damit die Fans diese Gänsehaut-Augenblicke in voller Intensität selbst erleben können.
Weil das Beschreiben eines schnellen Spiels höchste Konzentration erfordert, arbeitet Naß nie allein am Mikrofon, sondern wechselt sich typischerweise mit einer Kollegin oder einem Kollegen ab, um präzise zu bleiben. Sein Selbstverständnis bringt er selbst auf den Punkt: Er und sein Team sind die Augen ihrer Zuhörenden.
Warum das Thema so wichtig ist
Blindenreportagen haben in Deutschland eine über 25-jährige Geschichte im Fußball und finden inzwischen auch in weiteren Sportarten wie Eishockey und Handball ihren Platz. Rund 320.000 Menschen leben in Deutschland mit einer Sehbeeinträchtigung – für viele von ihnen ist eine solche Reportage oft die einzige Möglichkeit, Live-Sport in seiner vollen emotionalen Tiefe mitzuerleben. Ohne die Stimme eines Blindenreporters bleibt vielen von ihnen der Zugang zum Stadion- oder Hallenerlebnis sonst verwehrt.
Genau hier setzte die Initiative beim Final4 an: das Turnier für alle erlebbar zu machen – unabhängig von der Sehfähigkeit.
Ein starkes Zeichen zum Abschluss des Final4
Der große Zuspruch beim Final4 in Bonn – ausgebuchte Funkkopfhörer vor Ort und bis zu 300 Zuhörende im Audio-Stream – zeigt eindrucksvoll, wie viel Potenzial in diesem Format steckt. Diese Initiative war ein großer und wichtiger Schritt in Richtung unseres Ziels, mit den Emotionen des Hockeysports so viele Menschen wie möglich zu begeistern.