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MANNHEIM-DAMEN SETZEN MIT BRONZE DAS DEUTSCHE EHL-HIGHLIGHT

06. April 2026

Mit einer Bronzemedaille holten die Damen des Mannheimer HC die beste Platzierung der vier deutschen Teilnehmer bei den Finals 2026 der Euro Hockey League. In s-Hertogenbosch gab es einen Doppelerfolg der niederländischen Gastgeber. Die Damen des SCHC aus Bilthoven und die Herren des SV Kampong aus Utrecht setzten sich in den Endspielen über die Vorjahressieger HC Den Bosch (Damen) und Gantoise HC (Herren) durch.

Während es für die Damen des Deutschen Meisters Harvestehuder THC und die Herren des Crefelder HTC und des Hamburger Polo Clubs am verlängerten Osterwochenende nach Auftaktniederlagen am Ende beim Minimum von zwei Spieleinsätzen blieb, kamen die MHC-Damen zu vier EHL-Auftritten, von denen sie drei siegreich gestalten konnten.

 

Es begann am Mittwoch, als Mannheim gegen den englischen Meister Reading HC um den Einzug ins Viertelfinale kämpfen musste. Der Bundesliga-Tabellenführer brauchte einige Zeit, ehe er seine spielerischen Vorteile in Zählbares ummünzen konnte. Kurz vor der Halbzeit gelang Julia Hemmerle nach einem von der englischen Abwehr verstoppten Flankenball das 1:0. Nach der Pause erhöhten Stine Kurz und Lucina von der Heyde mit Strafecken auf 3:0, ehe kurz vor Schluss Nadine Kanler noch zum 4:0-Endstand erhöhte.

 

Damit kam es am Freitag zum deutsch-deutschen Viertelfinal-Duell zwischen Mannheim und dem als Landesmeister für die Runde der letzten Acht gesetzten Harvestehuder THC. In einer lange ausgeglichenen Partie, bei der MHC im ersten und HTHC im zweiten Viertel leichte Vorteile hatte, sorgte Sekunden vor der Halbzeitpause ein Stechertor von Charlotte Gerstenhöfer nach Traumpass von Sonja Zimmermann für die Mannheimer Führung. Eine perfekt gelungene Eckenvariante mit Kanler-Stecher unter die Latte zum 2:0 sorgte schon früh im dritten Viertel für eine Vorentscheidung. Pech für den Meister aus Hamburg, dass seine erste klare Chance durch einen Knobloch-Stecher an die Latte (56.) nicht den Anschlusstreffer brachte. Kurz darauf fiel nach einem Eckenkonter durch Carolin Seidel der Treffer zum 3:0-Endstand.

 

Für den HTHC blieb damit nur noch das Ranking-Match am Ostersonntag gegen den belgischen Meister Braxgata, der sein Viertelfinale gegen SCHC mit 0:4 verloren hatte. Harvestehude reichten Führungen durch Daria Buchta zum 1:0 und Laura Saenger per Ecke zum 2:1 nicht zum Sieg. Der Gegner konnte zwei Mal ausgleichen und mit dem 2:2 ein Shoot-out erzwingen. Dies gewann Braxgata mit 3:2, weil für den HTHC lediglich die Treffer von Emilia Landshut und Fenja Poppe zählten und ein weiteres Tor von Teresa Martin Pelegrina aus kaum erfindlichen Gründen über den Videobeweis aberkannt wurde.

 

„Ich bin wahnsinnig stolz auf die Mädels, dass wir gegen Braxgata ein sehr gutes Spiel gemacht haben, wirklich auch auf dem Niveau, wie wir uns das vorgestellt und auch gewünscht haben. Da haben wir gezeigt, dass wir auf dem Niveau auch mitspielen können. Gegen Mannheim waren wir nicht an unserer Leistungsgrenze, was aber auch ganz normal ist, weil das erste Mal für uns alle war, in der EHL zu spielen. Es gab viele Ansätze, Konter spielen zu können, aber wir haben es dann nicht ordentlich genug fertiggespielt. Mannheim hatte durchaus Respekt, ist sehr geduldig im Halbfeld gestanden, hat über 60 Minuten nicht einmal gepresst“, sah HTHC-Trainer Tobias Jordan die Spiele seines Teams und  merkte noch an: „Das Erlebnis hier hat natürlich Lust auf mehr gemacht. Die EHL ist doch schon etwas sehr Besonderes. Vielleicht schaffen wir es vielleicht irgendwie und irgendwann nochmal, so ein Erlebnis gemeinsam haben zu dürfen.“

 

Für den MHC ging es schon am Samstag mit dem Halbfinale weiter. Was gegen Reading und Harvestehude über zusammen 120 Spielminuten gelang, nämlich ohne Gegentreffer zu bleiben, war gegen den Tabellenführer der niederländischen Hoofdklasse, den SCHC aus Bilthoven, bereits nach 30 Sekunden nicht mehr der Fall. Ein Flankenball von der rechten Seite gelangte in den Mannheimer Kreis. Der Stecher von Pien Dicke wurde von Gegenspielerin Julia Hemmerle noch unhaltbar für Torhüterin Chiara Vischer ins Netz gelenkt. Ebenso machtlos war Vischer sieben Minuten später, als Jip Dicke eine präzise Vorlage von Welthockeyspielerin Yibbi Jansen zum 2:0 ins Netz stach. Die Vorentscheidung fiel noch vor Ende des ersten Viertels. Der SCHC verwandelte seine erste Strafecke per Stechervariante zum 3:0. Eine Aufholjagd konnte Mannheim gegen den die Kontrolle behaltenden Topgegner in der verbleibenden Spielzeit nicht mehr starten, aber wenigstens gab es auch keine weiteren Gegentore mehr.

 

Im Spiel um Platz drei am Ostermontag gegen Club de Campo Madrid geriet Mannheim ebenfalls nach einer Eckenstechervariante in Rückstand. Der MHC drehte den Spielstand noch vor der Halbzeit durch einen Doppelschlag von Julia Hemmerle und Charlotte Gerstenhöfer zum 2:1. Zu Beginn des Schlussviertels glich Madrid wieder nach Ecke aus. Die Entscheidung fiel vier Minuten vor Ende, als der MHC nach parierter Ecke einen Konter fuhr, bei dem Aina Kresken von der Torhüterin gefoult wurde. Den fälligen Siebenmeter verwandelte Stine Kurz zum 3:2-Sieg, der dem MHC nach Silber 2024 erneut eine Medaille einbrachte. „Es war ein schwieriges Spiel, wie immer in Finals. Beide Mannschaften waren stark erschöpft. Das Spiel hätte in beide Richtungen kippen können, aber wir haben die letzten Chancen in Angriff und Verteidigung besser gemanagt“, war MHC-Cheftrainerin Sofie Gierts froh über den erfolgreichen Turnierabschluss.

 

Bei den Herren gingen beide deutschen Mannschaften am Freitagabend als Verlierer im Viertelfinale gegen holländische Vertreter vom Platz. Der Hamburger Polo Club geriet gegen den niederländischen Meister AH&BC Amsterdam durch ein Stechertor von Dayaan Cassiem zum 0:1-Halbzeitrückstand. Nach der Pause erhöhte Brent van Bijnen im Konter auf 0:2. Hoffnung kam für den Bundesliga-Tabellenführer zurück, als Kane Russell zum Ende des dritten Viertels per Ecke verkürzte. Eine Wende blieb indes aus, als Mustaphaa Cassiem acht Minuten vor Schluss per Ecke den alten Abstand wieder herstellte. Sekunden vor Ablauf der Spielzeit ließ van Bijnen noch ein Empty-net-Tor zum 4:1-Endstand folgen.

 

Deutlich dramatischer wurde es im anschließenden zweiten deutsch-niederländischen Duell. Der Deutsche Meister Crefelder HTC konnte gegen den SV Kampong zunächst ein 2:0 vorlegen, als Niklas Wellen einen Siebenmeter verwandelte und wenig später noch stark für Youngster Max Krueger auflegte, der eiskalt vollstreckte. Sekunden vor der Halbzeitpause kam der Gegner aus Utrecht durch das 1:2 durch Routinier de Wijn zurück ins Spiel, und schon bald nach Wiederbeginn drehte Kampong das Spiel komplett. Duco Telgenkamp und Finn von Bijnen schossen ein 3:2 heraus, dem Olympiasieger Telgenkamp mit einer krachenden Rückhand nach 50 Minuten noch das 4:2 folgen ließ. In doppelter Feldspielerüberzahl konnte der CHTC in den letzten vier Minuten angreifen, nachdem man selber Torhüter Zickler vom Platz nahm und Kampong eine gelbe Karte verpasst kommen hatte. In kürzester Zeit schafften Masi Pfandt und Philipp Jansen nach Flanken von rechts den kaum mehr für möglich gehaltenen 4:4-Ausgleich.

Im fälligen Shoot-out besaß Krefelds Lucas Bachmann als zehnter Schütze beim Stand von 3:3 einen Matchball, konnte diesen aber nicht nutzen. Nach insgesamt 14 Versuchen durfte dann Kampong beim 5:4-Endstand seinen Finaleinzug bejubeln.

 

Statt sich im Halbfinal zu begegnen, mussten die beiden deutschen Herrenteams am Sonntag das Rankingmatch gegeneinander bestreiten. Die Motivation, das Turnier mit einem Erfolgserlebnis abzuschließen, war auf beiden Seiten hoch. Polo eröffnete den Torreigen mit einem erfolgreichen Stecher von Paul Kaufmann. Dieses 0:1 konnte Krefeld durch Lachlan Sharp genauso egalisieren wie den erneuten Rückstand (Kane Russell per Ecke) durch einen Vorhandknaller von Max Krueger zum 2:2-Halbzeitstand. Für die erste CHTC-Führung sorgte nach der Pause Masi Pfandt per Ecke. So sehr Krefeld offensiv zu überzeugen wusste, konnte er defensoiv seine Reihen einfach nicht schließen. Das nutzten die bei Kontern eiskalten Hamburger, um durch Paul Smith, Kane Russel (Ecke) und Tom Craig, um innerhalb von neun Minuten aus einem 2:3 ein 5:3 zu machen. Der CHTC spielte wie schon gegen Kampong eine zwingende künstliche Überzahl, aber zu mehr als dem 4:5-Anschluss durch eine Pfandt-Ecke reichte es nicht.

 

„Insgesamt hatten wir uns natürlich mehr erhofft, aber der Sieg und die Reaktion gegen Krefeld ist für den weiteren Verlauf der Bundesliga-Saison wichtig und war auch für unsere überragenden Fans, die so zahlreich mitgefahren sind, ein versöhnlicher Abschuss“, zog Polo-Teammanager Freddy Ness das Hamburger Fazit.

„Ich bin sehr zufrieden mit unserer Offensive. Wir haben viele Lösungen gefunden gegen beide Teams, haben uns viele Chancen erarbeitet und acht Tore in zwei Spielen geschossen. Wir müssen aber einfach eingestehen, dass die Fehler, die wir in der Defensive machen - die teilweise auch durch die Qualität des Gegners entstehen –, dann auf diesem Niveau sofort bestraft werden“, bilanzirte CHTC-Cheftrainer Johannes Schmitz und folgerte: „Unterm Strich nehmen wir wahnsinnig viel mit aus diesen beiden Spielen und dem Turnier. Wir sind in einer Situation in der Bundesliga, wo wir jeden Punkt brauchen, und wir haben uns fest vorgenommen, dass wir darauf aufbauen werden und von der Intensität von der Leidenschaft und dem Zug nach vorne so zu agieren wie hier.“

 

Letztlich hatte Deutschland dann doch einen Finalisten: DHB-Schiedsrichter Raphaël Adrien pfiff zusammen mit seinem englischen Kollegen Dan Barstow das Herren-Endspiel zwischen Gantoise und Kampong (2:3).

 

Foto: Worldsportpics