NUR KÖLN UND HARVESTEHUDE HABEN DAS BONN-TICKET SCHON SICHER
23. May 2026
Nur die Hälfe des Herren-Teilnehmerfeldes kann schon nach den Samstagsspielen sein Ticket für das Final4 in Bonn buchen. Rot-Weiss Köln und Harvestehuder THC beendeten ihre Play-off-Serien frühzeitig, dagegen erzwangen die in der Vorwoche auswärts unterlegenen Teams Hamburger Polo Club und Club an der Alster ein Entscheidungsspiel am Sonntag. Auch in Sachen Abstieg sind erst 50 Prozent der Fragen geklärt: Der SC Frankfurt 80 muss zurück in die zweite Liga. Wer die Hessen begleitet, entscheidet sich am Sonntag, denn München sorgte gegen Gladbach für den Ausgleich im Play-down.
Auch zwei Rückstände gegen den UHC Hamburg und ein verschossener Siebenmeter brachten Rot-Weiss Köln auf eigenem Platz nicht aus der Ruhe. Alle diese Missgeschicke konnten die Rheinländer auf der Basis ihres gewachsenen Selbstvertrauens folgenlos umbiegen. Am Ende stand mit 4:2 (1:2) der elfte Pflichtspielsieg in Folge und die erneute DM-Endrundenteilnahme. Hamburg war durch Florian Sperlings Eckennachschuss (8.) zum 0:1 gekommen, das bis zur Halbzeit anhielt. In der 36. Minute bot sich für Köln die große Möglichkeit zum Ausgleich, als nach einem bösen Patzer von Benedikt Schwarzhaupt plötzlich Christopher Rühr freie Bahn hatte und nur noch durch ein Foul im UHC-Kreis gestoppt werden konnte. Der Gefoulte nahm sich der Sache selber an, setzte den Siebenmeter jedoch nur an die Latte des Kastens von Torwart Felix Damberger. Dieser war aber keine 60 Sekunden später tatsächlich geschlagen als Florian Adrians nach feiner Vorarbeit von Fabio Seitz über die linke Grundlinie das 1:1 (37.) markierte. Doch auch UHC hatte eine schnelle Antwort parat. Nach einem abgefälschten Flankenschlag in den Kölner Kreis reagierte Florian Sperling am schnellsten und überwand Nationaltorwart Jean Danneberg ein zweites Mal zum 1:2 (39.). Es dauerte bis ins letzte Viertel, ehe Rot-Weiss die Sache wieder zu seinen Gunsten drehen konnte. Michel Struthoff sorgte gegen seine alten Teamkameraden mit einer feinen Einzelleistung für das 2:2 (51.), dem Henry Kunz mit einem Schlenzer aus dem Kreisgewühl das 3:2 (54.) folgen ließ. Die endgültige Entscheidung führte Raphael Hartkopf mit einem eleganten Rückhandheber zum 4:2 (58.) her. Nach dem 3:1-Sieg im Hinspiel war Köln damit vorzeitig am Ziel.
Ebenso nach zwei Begegnungen war die Serie zwischen dem Harvestehuder THC und TSV Mannheim Hockey beendet. Wie im Hamburger Hinspiel hieß es auch in Mannheim am Ende 2:1 für den HTHC. Nach einem Linksangriff bugsierte Moritz Frey den Ball zum 0:1 (22.) in den Mannheimer Kasten. Der TSV brauchte lange für eine Antwort, doch im Schlussviertel gelang sie dann durch Jakob Brilla doch. Der scheidende TSV-Eckenspezialist traf aus dem Standard heraus zum Ausgleich (5:1). Das Pendel schlug dann aber doch wieder in die andere Richtung aus, als Nqobile Ntuli die Gäste erneut in Führung brachte (56.). Auch der Einsatz eines elften Feldspielers führte den TSV nicht mehr zum zweiten Treffer, und damit war auch der Mannheimer Traum von der ersten Feld-Endrundenteilnahme geplatzt.
Spiele zwischen dem Hamburger Polo Club und dem Crefelder HTC sind selten torarm. So gewann Polo sein Ligaheimspiel gegen Krefeld mit 6:4, bei der EHL lieferten sich die beiden deutschen Vertreter einen 5:4-Thriller (wieder für Hamburg), dagegen setzte der CHTC voriges Woche ein 5:4 zum Auftakt der Viertelfinalserie. Kein Wunder also, dass es beim insgesamt fünften Pflichtspielaufeinandertreffen beider Teams ein weiteres Torspektakel wurde. Polo trumpfte mit einem Blitzstart auf und führte durch Leon Thörnblom (5.) und Kane Russell (E, 6.) schnell mit 2:0. Als Mathias Müller mit einem Eckennachschuss in den Winkel gar noch das 3:0 (26.) besorgte, schien das bereits vorentscheidend für den Tagessieg gewesen zu sein. Aber der amtierende Meister war noch lange nicht geschlagen. Kurz vor der Pause drückte Max Krueger den Ball zum 1:3 (30.) über die Linie. Und auch nach Paul Smith‘ 4:1 (50.) konnte es für Polo noch keine Entwarnung geben. Mit einer perfekten Eckenstechervariante (52.) und einem Treffer aus vollbesetztem Kreis heraus (59.) führte Lachlan Sharp die Gäste noch einmal aussichtsreich heran. Sechs Sekunden vor Ende erzwang Krefeld gar noch eine Schlussecke, die Polo dann jedoch erfolgreich ablaufen konnte. So blieb es beim 4:3 (3:1)-Erfolg der Platzherren, die am Sonntag (13 Uhr) ins Entscheidungsspiel gehen können. „Da sollten wir dann über die kompletten 60 Minuten gut spielen nicht nur wie heute über 50 Minuten“, so Polos australischer Angreifer Tim Brand.
Noch eine Spur torreicher wurde es ein paar Kilometer weiter. Der Club an der Alster erzwang sich mit einem 5:4 (3:2) -Sieg über Uhlenhorst Mülheim ein Entscheidungsspiel, nachdem das erste Partie noch torlos (und mit einem Shootout-Erfolg der Ruhrstädter) geendet hatte. Dieter Linnekogel eröffnete nach sieben Minuten den Torreigen zum 1:0, Mülheim konterte mit einem Doppelschlag durch Lukas Windfeder (E, 16.) und Malte Hellwig (17.) zum 1:2. Ein Schock für alle Beteiligten war dann der Unfall von David Harte. Der Mülheimer Keeper war vom zurückeilenden Teamkameraden Windfeder mit dem Knie so unglücklich am Helm erwischt worden, dass der Torwartroutinier schwer angeschlagen lange am Boden liegen blieb. Für den zweifachen Welttorhüter kam der 17-jährige Janus Schiffer ins Spiel. Und der Nachwuchskeeper musste noch vor der Pause zwei Treffer des Alster-Angreifers Nikolas Wellan (E, 27./28.) schlucken. Ein weiteres Mal hinter sich greifen musste Schiffer, der allerdings auch viele gute Szenen hatte, beim Eckennachfasser von Andrew Hobson zum 4:2 (E, 45.). Mülheim kämpfte sich dann durch William Sanda (51.) und Lukas Windfeder (E, 57.) tatsächlich nochmal zum 4:4-Ausgleich heran, aber das letzte Wort hatten die Gastgeber, als Wellan mit seinem dritten Tagestreffer, einer hoch ins Netz verwandelten Ecke (58.), für den Sieg und den Ausgleich in der Serie sorgte. „Wir haben heute zu viele Ecken hergeschenkt, offensiv wie defensiv“, legte der trotz seiner beiden Standardtore nicht zufriedene Lukas Windfeder den Finger in die Wunde. Auch Johannes Große vom Sieger DCadA fand ein Haar in der Suppe: „Nach dem 4:2 haben wir ein bisschen den Faden verloren.“ Am Sonntag (14:30 Uhr) geht es weiter.
Im Play-down wurde der Mannheimer HC seiner Favoritenrolle gegen den SC Frankfurt 80 gerecht – allerdings erst in der zweiten Hälfte. Der Ligaletzte hatte in den ersten 30 Minuten mit dem Führungstreffer durch Arne Selbach (2.) und dem 2:2-Ausgleich von Brian Philippsen (30.) aufgewartet. Mannheim braucht lange bis zu etwas Zählbarem, dann gelang ein Doppelschlag von Tim Seagon (E, 27.) und Benedikt Geyer (29.). Doch erst in den zweiten 30 Minuten konnte der knapp am Play-off gescheiterte MHC die Kräfteverhältnisse zurechtrücken. Seagon (E, 31.), Lenn Hoffmann (32.), Linus Müller (E, 36.), Luis Holste (49.) und nochmal Geyer (57.) sorgten noch für den 7:2-Endstand, der zusammen mit dem 5:1-Hinspielsieg reichte, um den Klassenerhalt klarzumachen. Frankfurt muss nach 24 Pflichtspielniederlagen in Folge zurück in die zweite Liga.
So deutlich (und erwartbar) das erste Play-down-Duell verlief, so eng geht es im zweiten zu. Wie schon vor einer Woche in Mönchengladbach gab es nun in München keinen Sieger nach 60 Minuten, sondern erneut ein 2:2-Unentschieden. Eine weitere Parallele war, dass wieder die Heimmannschaft einen 2:0-Vorsprung nicht ins Ziel bringen konnte. Diesmal führte der Münchner SC durch Eckentreffer von Quirin Nahr (12.) und Max Lang (16.), ehe dem Gladbacher HTC durch Laurens Halfmann (17./E, 37.) der Ausgleich gelang. Im fälligen Shoot-out hatte München zweifellos den größeren Druck. Eine erneute Niederlage wie beim 2:3 vor einer Woche hätte den Abstieg bedeutet. Doch die Bayern hielten dem Druck stand. Philipp Dirmeier, Julius Lambsdorff und Benedikt Nahr trafen dreifach, während dem GHTC lediglich durch Kenton Melville ein Treffer gelang. Und so geht es nach diesem 3:1 am Sonntag (14:30 Uhr) ins entscheidende dritte Duell.
Foto: S.Müller / Sports-Gallery