POLO UND MÜLHEIM BEIM FINAL4, MÜNCHEN HÄLT DIE LIGA
24. May 2026
Die Herren des Crefelder HTC können ihren Titel beim anstehenden Final4 in Bonn nicht verteidigen. Der Vorjahresmeister verlor das dritte Entscheidungsspiel des Viertelfinals am Sonntag beim Hamburger Polo Club mit 3:4. Noch torreicher verlief das zweite Entscheidungsspiel in Hamburg. Dort gelang Uhlenhorst Mülheim nach 1:4-Rückstand beim Club an der Alster eine wahnsinnige Aufholjagd zum 5:4-Sieg. Jubeln kann auch der Münchner SC über den Klassenerhalt.
Dass Polo und Krefeld eigentlich nur torreich können, zeigten die in den meisten ihrer bereits vier vorangegangenen Saisonduelle. Und auch das fünfte Aufeinandertreffen sollte nichts anderes bringen. Wie am Vortag beim 4:3-Sieg eröffnete Leo Thörnblom den Torreigen mit dem frühen 1:0 (5.) für Polo. Niklas Wellen brachte den Crefelder HTC noch im ersten Viertel zum 1:1-Ausgleich (14.). Tom Craig holte die nächste Führung für die Hamburger Gastgeber mit dem 2:1 (28.) zurück, diesmal schaffte der CHTC den Gleichstand schon in der gleichen Minute, als Lachlan Sharp per Stecher eine saubere Eckenvariante zum 2:2 nutzte.
Nach torlosem dritten Viertel trieben dann weitere Strafecken den Spielstand nach oben. Polo-Spezialist Kane Russell nahm zweimal (47./50.) erfolgreich Maß und schoss die Gastgeber zum 4:2. Doch wie am Vortag, als auch ein 4:1-Zwischenstand noch nicht die Entscheidung bedeutete, kam Krefeld wieder in Schlagnähe. Masi Pfandt brachte den Meister per Ecke (57.) zum 3:4 und hatte danach noch einen Standard auf dem Schläger, schoss die letzte Krefelder Ecke jedoch um Zentimeter am Hamburger Kasten vorbei. So blieb es beim 4:3. In einer äußert engen Serie mit 4:5, 4:3 und 4:3 aus Polo-Sicht hatte sich der Ligagewinner hauchdünn gegen einen starken Gegner durchgesetzt. „Krefeld ist ein großartiges Team“, zog Kane Russell im Dyn-Interview den Hut vor dem nun entthronten Titelverteidiger.
Im zweiten Entscheidungsspiel in Hamburg wiederholte sich wie auch bei Polo das Samstagsresultat. Erneut stand es am Ende 5:4. Doch diesmal mit anderem Sieger. Hatte der Club an der Alster am Vortag die Shoot-out-Niederlage des Hinspiels in Mülheim mit einem 5:4 ausgleichen können, so ging der nächste Neun-Tore-Thriller an den HTC Uhlenhorst. Und das nach einer unglaublichen Aufholjagd im Schlussviertel. Lange Zeit sahen die Hamburger Gastgeber wie der sichere Sieger aus. Jack Heldens (3.) und Niklas Hansen (15.) hatten Alster im ersten Viertel mit 2:0 in Führung gebracht. Den Mülheimer Anschlusstreffer durch William Sanda (22.) konterte Alster durch zwei Treffer in der Schlussminute der ersten Hälfte durch Niklas Wellan und Henri Benoit zum 4:1-Pausenstand. Kurz vor der letzten Viertelpause sendete Mülheim (ohne den am Vortag am Kopf verletzten Stammkeeper David Harte; aber auch ohne Timm Herzbruch) ein erstes Lebenszeichen, als Malte Hellwig im Anschluss an eine Mülheimer Ecke einen Siebenmeter zum 2:4 (45.) nutzte.
Was dann innerhalb von nur 90 Sekunden zwischen der 47. und 48. Minute passierte, war kaum zu fassen. Eine Überzahl nach Zeitstrafe gegen Alster nutzten die Gäste zu drei Toren in Windeseile. Lukas Mertgens (47./48.) und ein Rückhandknaller von Kapitän Jan Schiffer (48.) in den Winkel sorgten für das 4:5. Alster war zu geschockt, um sich davon noch einmal zu erholen und schaffte es nicht mehr ins Shoot-out.
„Wir hatten das Spiel komplett in der Hand und haben dann komplett den Faden verloren, sind total eingebrochen“, sagte der frustrierte Alster-Spielmacher Johannes Große hinterher im Dyn-Interview. Für Mülheim brachte dieser kaum mehr erwartete Erfolg die erste Endrundenteilnahme seit 2021.
In den Halbfinalspielen am kommenden Samstag treffen die beiden Hamburger Teams von Polo und Harvestehuder THC sowie Rot-Weiss Köln und HTC Uhlenhorst Mülheim aufeinander.
Der Münchner SC bleibt erstklassig. In einer äußerst engen Play-down-Serie gegen den Gladbacher HTC setzten sich die Bayern im dritten Entscheidungsspiel auf eigener Anlage durch. Wie schon die ersten beiden Begegnungen (2:2 in Gladbach, 2:2 in München; mit jeweiligem Sieg der Gastgeber im Shoot-out) fiel die Entscheidung auch im dritten Duell erst durch die Penaltys. 60 Minuten lang hatten sich beide Mannschaften torlos aneinander abgearbeitet. Das Shoot-out musste über Abstieg und Klassenerhalt entscheiden. Zum Helden des Tages wurde MSC-Keeper Moritz Bretschneider, der gegen Laurens Halfmann, Mats Grambusch und Idres Abdulla die Oberhand behielt. Und weil die Münchner Schützen Philipp Dirmeier, Julius Lambsdorf und Harry Stone allesamt ihre Versuche im Kasten von Phil Oberländer untergebracht hatten, war bei 3:0 bereits vor den letzten beiden Durchgängen Schluss. Ihrem Trainer Patrick „Harry“ Fritsche (geht nach neun Jahren beim MSC als Sportdirektor zum Club an der Alster) bescherten die MSC-Herren einen würdigen Abschied. „Ich gehe mit großem Herzen. Aber heute machen wir noch die Nacht zum Tag“, kündigte Fritsche eine große Siegerfeier zum erneut geschafften Klassenerhalt an.
Mit Gladbacher HTC und SC Frankfurt 80 müssen die beiden Vorjahresaufsteiger nach einer Saison wieder zurück in die zweite Liga.
Foto: S. Müller / Sports-Gallery